Im Modul 1.5 haben Sie das Basis-Prompting kennengelernt. Ketten-Denken (Chain-of-Thought) geht einen Schritt weiter: Statt nur die Antwort zu erwarten, zwingen Sie die KI, ihren Denkprozess laut auszuführen. Das reduziert Fehler bei komplexen Aufgaben drastisch.
Ketten-Denken (Chain-of-Thought) verbessert die KI-Genauigkeit bei komplexen Verwaltungsaufgaben nachweislich. Die zusätzlichen Token kosten Zeit – aber sie verhindern teure Fehler.
System Prompts sind Anweisungen, die vor der eigentlichen Aufgabe an die KI übergeben werden. Sie definieren Rolle, Tonfall, Einschränkungen und Ausgabeformat. In der Verwaltung besonders wichtig, um rechtssichere, konsistente Texte zu garantieren.
Ein Bezirksamt nutzt KI zur Unterstützung bei Bescheiden. Durch den System-Prompt "Sie sind Sachbearbeiter, nur amtliche Sprache, keine Rechtsberatung" werden ungewollte Ratschläge eliminiert. Der Prompt enthält außerdem die Regel: "Prüfen Sie alle Angaben auf Plausibilität und markieren Sie Unstimmigkeiten". Ergebnis: Die KI markiert, wenn Einkommen und Haushaltsgröße nicht zusammenpassen.
Few-Shot bedeutet: Sie geben der KI ein oder zwei Beispiele, wie die Aufgabe gelöst werden soll. Das funktioniert besonders gut bei Formatierungen, Tonfällen oder spezifischen Verwaltungsprozessen.
Bei Few-Shot-Beispielen dürfen niemals echte personenbezogene Daten oder vertrauliche Informationen verwendet werden. Nutzen Sie fiktive, anonymisierte Beispiele. Dies gilt besonders bei Cloud-KI-Systemen.
Moderne KI-Systeme können mit externen Werkzeugen verbunden werden: Kalender, Datenbanken, Recherchetools, Übersetzungs-APIs. In der Verwaltung eröffnet das neue Möglichkeiten – und neue Risiken.
Wenn KI-Tools auf interne Datenbanken zugreifen, ist das eine hochriskante KI-Anwendung im Sinne des EU AI Acts. Vorab: DSFA, Dokumentation, menschliche Aufsicht. Cloud-basierte Tools dürfen keine personenbezogenen Daten verarbeiten, ohne dass ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV, Art. 28 DSGVO) besteht.
Kein Datenbankzugriff ohne abgeschlossene DSFA und gültigen AVV mit dem KI-Anbieter. Keine Cloud-KI mit Daten, die als VS-NfD (Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch) oder höher eingestuft sind. Kein Echtzeit-Zugriff auf Bestandsdaten ohne IT-Freigabe und dokumentiertes Sicherheitskonzept. Im Zweifel gilt: erst IT-Sicherheitsbeauftragten und Datenschutzbeauftragte befragen, dann verbinden.
Selbst die besten Prompts liefern nicht immer perfekte Ergebnisse. Iteratives Prompting bedeutet: Ergebnis prüfen, Prompt verfeinern, wiederholen. Drei bis fünf Iterationsschritte sind normal.
Prompting ist kein Einwurfautomat, sondern ein Dialog. Je präziser Sie die KI führen, desto besser das Ergebnis. Investieren Sie Zeit in den Prompt – sparen Sie Zeit bei der Nachbearbeitung.
Probieren Sie Chain-of-Thought, System-Prompts und Few-Shot an realen Verwaltungsfällen aus.
Ihr Referat beantwortet jede Woche etwa vierzig gleichartige Anfragen zum Stand eines Bauantrags. Die Antworten sollen künftig von einem Sprachmodell vorformuliert werden. Die Sachbearbeitung gibt je Fall nur den Sachstand in Stichworten ein, etwa „Unterlagen seit 14.05. vollständig, Stellungnahme Denkmalschutz steht aus, Rückmeldung dort angemahnt“.
Schreiben Sie den System-Prompt, der vor jedem dieser Fälle steht. Er legt Rolle, Ton, Ausgabeformat und Sicherheitsregeln fest. Formulieren Sie danach zwei Regeln, die verhindern, dass das Modell etwas erfindet, wenn Ihre Stichworte lückenhaft sind.
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Rolle Du formulierst Antworten einer Bauaufsichtsbehörde an antragstellende Personen. Aufgabe Aus den Stichworten der Sachbearbeitung entsteht eine E-Mail an die antragstellende Person. Regeln - Amtlich und verständlich, keine Umgangssprache, keine Rechtsberatung. - Höchstens 150 Wörter. - Anrede „Sehr geehrte Antragstellerin, sehr geehrter Antragsteller“, kein Name. - Nenne nur Sachverhalte, die in den Stichworten stehen. - Fehlt eine Angabe (Datum, Frist, Aktenzeichen, zuständige Stelle), schreibe [FEHLT: Bezeichnung] und erfinde nichts. - Zitiere keinen Paragrafen, auch dann nicht, wenn einer zu passen scheint. - Gib nur die E-Mail aus, ohne Einleitung und ohne Nachbemerkung.
Die Platzhalterregel ist die wichtigere von beiden. Ein Modell füllt eine Lücke von sich aus mit etwas Plausiblem, solange man ihm nicht ausdrücklich sagt, dass die Lücke sichtbar bleiben soll. Der Marker [FEHLT: …] springt beim Lesen ins Auge, eine erfundene Frist nicht.
Die zweite Regel ist das Zitierverbot. Paragrafen sind die Stelle, an der Sprachmodelle am zuverlässigsten danebenliegen, weil eine Paragrafennummer sprachlich beliebig ist und trotzdem richtig aussieht. Wer die Rechtsgrundlagen selbst einsetzt, spart sich die Prüfung jeder einzelnen Fundstelle.
Ein System-Prompt ist keine technische Sperre. Das Modell folgt ihm in aller Regel und weicht in Einzelfällen ab, besonders bei ungewöhnlichen Eingaben. Die Ausgabe wird deshalb gelesen, bevor sie hinausgeht.
Chain-of-Thought hilft beim Rechnen und beim Abwägen. Auf eine Paragrafennummer hat es keinen Einfluss, weil das Modell sie aus dem Gedächtnis nimmt und nicht herleitet. Ein ausführlicher Denkweg vor einer falschen Fundstelle macht sie nur überzeugender.
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